Geschichte der St-Sebastianus Schützenbruderschaft von 1430 e.V

Die Nideggener St. Sebastianus-Schützenbruderschaft zählt zu den ältesten
Schützenbruderschaften der Region. Ihre Anfänge werden um das Jahr 1430 datiert. Bereits früher wird aber ein organisiertes Schützenwesen in Nideggen vermutet.
Die Schützenbruderschaft verdankt ihre Entstehung dem Aufblühen Nideggens, das nach dem Bau der Burg (1177) entstand und am 25. Dezember 1313 vom Grafen Gerhard von Jülich Stadtrechte verliehen bekam.

Nach der ältesten Mitgliederliste aus dem 15. Jahrhundert
umfasste die Gesellschaft nach ihrer Gründung etwa 200 Personen, unter ihnen Geistliche und Laien, Einheimische und Auswärtige. Jeder freie Bürger hatte das Recht und die Pflicht, sich im Gebrauch der Waffen zu üben und in Zeiten der Bedrängnis unter das Stadtbanner zu treten, um die Stadt Nideggen und ihre Einwohner zu verteidigen.


Um sich im Gebrauch der Waffen zu üben und zu verbessern, wurden alljährlich Wettschießen und Waffenspiele durchgeführt. Den sichersten Schützen krönte man zum König und brachte ihm eine feierliche Huldigung dar. Außerdem bekannten sich die Mitglieder der Bruderschaft zum christlichen Glauben und zu einer christlichen Lebensführung, und sie bekundeten ihre Gesinnung, indem sie an den Festtagen der Bruderschaft, an den Gottesdiensten und an den Prozessionen teilnahmen.


Kriege, Besatzungszeiten, die Zerstörung von Burg und Stadt Nideggen und der Verlust alter Unterlagen, Fahnen und des Königssilbers sind im Lauf der wechselvollen Geschichte mehrfach vorgekommen. Immer wieder fanden sich die Bürger neu zusammen, um die Schützenbruderschaft wieder zu begründen.

Im geschichtsträchtigen Jahr 1848 wurde das Nideggener Schützenwesen neu geordnet, die damals erlassene Schützenordnung galt formell bis 1973. Die älteste überlieferte Schützenordnung ist aus dem Jahr 1583. Im Dreißigjährigen
Krieg ging die ursprüngliche Königskette verloren; der älteste erhaltene Königsschild stammt heute aus dem Jahr 1731.


Seit langer Zeit ist es in Nideggen Brauch, zum alljährlichen Schützenfest zwei Könige, nämlich einen Schützenkönig und einen Bruderkönig, gleichzeitig zu ermitteln. Einen Schützenprinz und Schülerprinz kennt man hier nicht.

Der Grund für diese Besonderheit findet sich ebenfalls in der Vergangenheit: In den früheren Jahrhunderten waren Verwaltung und Kassenführung der selbständigen (kirchlichen) Sebastianus-Bruderschaft und der selbständigen (weltlichen) Schützengesellschaft in Nideggen getrennt. Die Schützengesellschaft bildete den Hauptteil der Bruderschaft. Nach der Neuordnung 1848 verschmolzen allmählich Bruderschaft und Schützengesellschaft in Personalbestand und Kassenführung. Übrigens kam dieses Nebeneinander von Bruderschaft und Schützenwesen in früheren Jahrhunderten auch in anderen Orten vor .


Es ist nicht mehr zu ermitteln, ob das Doppelkönigtum in Nideggen mit dem früheren
Verhältnis zwischen Bruderschaft und Schützengesellschaft zusammenhängt oder mit der Erneuerung des Schützenwesens von 1848. Jedenfalls repräsentierte der Schützenkönig die Schützengesellschaft, der Bruderkönig die kirchliche Bruderschaft. Letzterer trägt seit mehr als 150 Jahren eine gestiftete Silberkrone. Und beim Brauch der beiden gleichzeitigen Könige ist es bis heute geblieben.